Bürgermeister Heinrich Hollinger im Zeitungsinterview: "Was zu weit geht, geht zu weit!"

Veröffentlicht am 02.07.2012 in Kommunalpolitik

In einem Interview hat sich Bürgermeister und SPD-Ortsvorsitzender Heinrich Hollinger zur kommunalen Streitkultur geäußert. Die Publikation erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Alt- Neuöttinger Anzeigers.

Herr Hollinger, wer hat sich nun mehr eingesetzt für den Bahnübergang Kellerstraße, Sie oder Gräfin von Pfuel?

Wir haben uns beide stark eingesetzt: unsere Fraktion hat den verkehrspolitischen Sprecher der SPD im Bundestag MdB Martin Burkert und die Betreuungsabgeord-nete Dr. Bärbel Kofler nach Tüßling geholt. Die CSU-Abgeordneten Ingrid Heckner, MdL, und Stephan Mayer, MdB, haben für meine Stellvertreterin und mich einen Termin beim Bayerischen Innenminister vereinbart, der uns dabei die höchst-mögliche Förderung zugesagt hat. Eine persönliche Vorsprache von Gräfin von Pfuel bei Staatssekretär Scheuer und auch die Eingabe der Abgeordneten Burkert und Dr. Kofler im Bundesverkehrsministerium haben leider nichts Konkretes gebracht. Der Einsatz war aber auch sehr wichtig, denn der Bahnausbau ist eines der entscheidenden Zukunftsthemen Tüßlings, da müssen alle an einem Strang ziehen.

Fakt ist aber, dass allein die SPD-Fraktion im Gemeinderat stets die jetzt favorisierte große Lösung gefordert hat. Die CSU war gespalten, die Freien Wähler waren dagegen. Auf nichts anderes haben wir in unserer Jahresmitglieder-versammlung hingewiesen, im ANA wurde das völlig korrekt zitiert: Wir freuen uns über die Kehrtwende im Tüßlinger Gemeinderat beim Bahnausbau.

Wieso werfen Ihnen dann die CSU und Leserbriefschreiber vor, sich mit fremden Federn zu schmücken?

Was wir gemacht haben, sind schon unsere Federn. Der SPD-Fraktionssprecher Peter Gottschaller hat z.B. als erster die Lkw-Variante anhand eines Beispiels aus einer Nachbargemeinde präsentiert. Die Entscheidung über die Alternativen als Ersatz zum Übergang Kellerstraße war uns für Tüßling so wichtig, dass wir beschlossen, sie auf unserer neuen Internetseite öffentlich zu machen und die Tüßlinger in einer Online-Umfrage darüber abstimmen zu lassen. Außerdem baten wir SPD-Abgeordnete auf Bundes- und Landesebene um Unterstützung. Über diese Aktivitäten berichteten wir auf unserer Mitgliederversammlung. Warum wir dafür in der öffentlichen Sitzung von der zweiten Bürgermeisterin angegriffen wurden, darüber kann ich nur mutmaßen, das müssen Sie sie selbst fragen.

Und der Leserbriefschreiber, der Ihnen "23 Jahre Worthülsen, Phrasen und Sprechblasen" vorwirft?

Da ist einer gewaltig über das Ziel hinausgeschossen, aber dafür ist derjenige im Ort auch leidlich bekannt. Ich soll ihn ja auch "geschmäht" und mit "ehrabschnei-denden Äußerungen zum Schweigen gebracht haben". Dabei habe ich ihm bereits in zwei Bürgerversammlungen die Gelegenheit zu einem Vortrag über die Aktivitäten der IG Mörnbach eingeräumt, das war für mich selbstverständlich bei den Aktivitäten dieser Interessengemeinschaft. Bei allem, was recht ist: was zu weit geht, geht zu weit, da hat sich jemand ganz weit ins Abseits gestellt.

Solche Schärfe der Auseinandersetzung ist man aus Tüßling nicht gewohnt.

Das wundert mich auch sehr. Seit ich Bürgermeister bin, arbeiten wir über die Parteigrenzen hinweg sehr konstruktiv und vertrauensvoll zusammen. Wir haben auch von Seiten der SPD in all unseren Veröffentlichungen dieses Jahres andere Parteien kein einziges Mal erwähnt, geschweige denn kritisiert und auch keine Personen. Wir haben nur das getan, wofür politische Parteien da sind: mit Aktionen und Ideen die Öffentlichkeit suchen. Im Internet weisen wir sogar eigens auf die Rolle der Gräfin zur Bahnunterführung hin.

Ist das die neue Streitkultur in Tüßling?

Das glaube ich nicht. Manche waren offenbar überrascht über unsere neue Internetseite, die Online-Umfrage, die anderen Aktivitäten. Wir haben halt versucht anzusprechen, was die Tüßlinger bewegt.

Und geht die Auseinandersetzung jetzt so weiter?

Ich hoffe nicht und glaube es auch nicht. Wir werden weiter über die Sache reden und in kollegialem Verhältnis weitermachen im Gemeinderat zum Wohle der Marktgemeinde. Wir haben während meiner 23-jährigen Amtszeit viele Dinge gemeinsam erreicht, ohne dass es zu persönlichen Beleidigungen gekommen ist. So sollten wir es auch weiter halten.

Quelle: Alt-Neuöttinger Anzeiger vom 30. Juni 2012.

 

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