SPD Tüßling im Landkreis Altötting

ANA 15.10.10: Ein 100-jähriger Jubilar - rüstig und agil

Veröffentlicht am 15.10.2010 in Presse

SPD-Ortsverein feiert am Donnerstag sein rundes Jubiläum - Rückblick auf eine wechselvolle Geschichte

Burghausen. Der Jubilar hat ein stolzes Alter von 100 Jahren erreicht und legt eine selten anzutreffende geistige und körperliche Rüstigkeit an den Tag. Er hat sich, wie er in seiner Geburtstagschronik schreibt, „vom Revoluzzer zur integrierenden Gestaltungskraft“ entwickelt. „SPD-Ortsverein Burghausen“ ist sein Name. Zeuge seiner agilen Vergangenheit und Gegenwart kann werden, wer am Donnerstag, 21. Oktober, um 19.30 Uhr ins Bürgerhaus kommt. Dort wird bei großen Festabend das runde Jubiläum gefeiert - mit Festansprache des SPD-Landesvorsitzenden Florian Pronold und einer großen Bilderschau.
Rechtzeitig zum Jubiläum erscheint eine Festschrift, in der die 100-jährige Geschichte der SPD Burghausen dargestellt ist. Das allererste sozialdemokratische Lebenszeichen war, wie aus einem Beitrag von Peter Jungblut hervorgeht, eigentlich schon 1887, als ein einziger Burghauser Bürger bei den Reichstagswahlen seine Stimme dem „königlich bayerischen Sozialdemokraten“ Georg von Vollmar gab. Erst Ende 1908 begann die sozialdemokratische Agitationsarbeit in der Salzachstadt, vorläufig organisiert vom Altöttinger Ortsverein. Es gab erste Versammlungen, bei denen unter anderem Forderungen nach Lehrmittelfreiheit und freier Ärztewahl aufkamen. Anfang 1910 schließlich gab es genügend Sympathisanten, um eine Sektion Burghausen zu gründen. Bei der Gründungsversammlung beleuchtete der Münchner Landrat Jakob Birnkammer die damalige Finanzkrise aus sozialdemokratischer Sicht und forderte - statt Steuererhöhungen - Einsparungen bei den maßlosen Rüstungsausgaben.
Bei der Reichstagswahl 1912 erreichte die SPD 61 Stimmen, das Zentrum 283. Während und nach dem 1. Weltkrieg kam mit dem Bau des Wacker-Werks ein großer Zuzug an Arbeitern und damit an Sozialdemokraten. Die Stunde der SPD schlug am 9. November 1918. Über Telegrafen gelangte die Nachricht von der Revolution in München nach Burghausen. Der spätere SPD-Vorsitzende Max Ulrich, Vorarbeiter in der Azetonfabrik, sprach zwei Tage später vor weit mehr als tausend Menschen auf dem Stadtplatz. Viele folgten dem Aufruf, der SPD beizutreten. Im Rathaus regierte der „Arbeiter- und Soldatenrat“, die rote Fahne wehte vom Giebel. Bei der Landtagswahl 1919 wurden die „Roten“ stärkste Partei. Die Burghauser SPD war auf überwältigende 474 Mitglieder angewachsen.
Doch die revolutionäre Zeit war bald vorbei. In ganz Bayern wurden die sozialistischen Räte durch traditionelle Verwaltungsorgane abgelöst. In Burghausen gewann bei der Stadtratswahl 1919 die „Liste Heimat“ die Oberhand, die SPD erreichte acht von 20 Sitzen. In der Folge spaltete sich die Partei auf, neben der Mehrheits-SPD entstand eine „Unabhängige SPD“, aus der später der KPD-Ortsverein hervorging.
In den 20-er Jahren hielt sich die SPD bei Wahlergebnissen um die 30 Prozent, bei der Reichstagswahl 1928 erreichte sie sogar über 44 Prozent. Im Rathaus gaben jedoch stets die „Bürgerlichen“ den Ton an.
Anfang der 30-er Jahre erstarkten die extremen Parteien Kommunisten und NSDAP. Eine Nazi-Versammlung beim Glöcklhofer 1932 endete in einer Saalschlacht. Sozis und Kommunisten waren in der Mehrheit und verprügelten die Nationalsozialisten. Kurz nach der Machtergreifung Hitlers rächte sich dies. Burghauser Sozialdemokraten (unter ihnen der spätere Burghauser Bürgermeister Georg Schenk) und Kommunisten wurden nach Dachau verschleppt, Ende Juni 1933 wurde die SPD verboten. Das Unheil nahm seinen Lauf.
Gleich nach dem Krieg fand sich die SPD wieder zusammen. Listenführer war Georg Schenk, der bei den Wahlen 1948 zum Bürgermeister gewählt wurde und bis 1966 im Amt blieb. Er verfügte über eine SPD-Mehrheit. Schon in der Ära Schenk wurden herausragende Projekte verwirklicht, vom Bau der Marathon bis zur Neustadt-Bebauung mit Wohnraum für 7000 Menschen. Die Wahl Georg Miesgangs (CSU) zum Bürgermeister war zugleich das Ende der SPD-Mehrheit. Viele lange Jahre erwies sich die Partei auf den Oppositionsstühlen als konstruktiver Diskussionspartner.
Der Keim für den Wiederaufstieg der SPD wurde etwa Mitte der 80er Jahre gelegt. Parteiinterne Auseinandersetzungen mündeten alsbald in die Formulierung klarer Ziele. Diese reichten von der Stadtentwicklung über die Kultur bis hin zur Sozialpolitik und eine bürgernahe Informationsstrategie. Bei Stadtteilwanderungen und themenbezogenen Versammlungen sowie durch Arbeitskreise wurde die Nähe zum Bürger gesucht. Der Umschwung blieb nicht aus. Unter Hans Steindl, der sich bei Bürgermeisterwahl gegen Fritz Harrer durchsetzte, gewann die SPD 1990 nach 24 Jahren „Abstinenz“ wieder die Mehrheit.
Dank solider nie versiegender Gewerbesteuereinnahmen vor allem aus der Industrie war es möglich, die Ziele in einem rasanten Tempo zu verwirklichen. Innerhalb von zwei Jahrzehnten wurden neue Akzente in allen Bereichen gesetzt. Das Gesicht Burghausens veränderte sich.
In der Stadtpolitik spielte die Parteizugehörigkeit dabei eher eine Nebenrolle. Sachentscheidungen standen im Vordergrund, die meisten davon konnten auch von den anderen politischen Gruppierungen mitgetragen werden. Die SPD, vom Ursprung her eine linksgerichtete Arbeiterpartei, etablierte sich in der Mitte der Gesellschaft - und das nach vier gewonnenen Wahlen mittlerweile schon in der vierten Legislaturperiode.
Zum Jubiläum hat die Burghauser SPD Mitglieder und Außenstehende befragt, was für sie die SPD ist. Auch Prominente wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt, Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel steuerten ihre Aussagen bei. Die Antworten sind in der Festschrift zu finden. Der Wunsch nach „sozialer Gerechtigkeit“ bildet dabei die zentrale Aussage, die die SPD-Mitglieder auf allen Ebenen verbindet. Als Beispiel sei der langjährige Ortsvorsitzende und ehemalige Stadtrat Alfons Kettner zitiert: „Die SPD ist für mich die einzige Partei, die immer versucht, mehr Gerechtigkeit und Solidarität in der stets egoistischer werdenden Gesellschaft zu verwirklichen...“ - fu

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