ANA 10.03.12: "Frauen müssen lauter werden"

Veröffentlicht am 11.03.2012 in Arbeitsgemeinschaften

Internationaler Frauentag in Burghausen - Ungleichbehandlung am Pranger

Burghausen: Er war lang, kurzweilig und sehr gut besucht; von Männern wie von Frauen: Der Festakt der AsF Burghausen und der DGB-Frauen im Landkreis Altötting zum Internationalen Frauentag. Fast vier Stunden dauerte die Veranstaltung im vollen Bürgersaal des Bürgerhauses, bot viel Unterhaltung sowie Stoff zum Nachdenken. So betonte die Festrednerin und Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner (SPD): "Eigentlich gibt die Lage der Frauen nicht so viel zum Lachen her."

Nach wie vor bekommen Frauen für ihre Arbeit, so Heidi Stefan-Brenner, Sprecherin der DGB-Frauengruppe im Landkreis Altötting, noch 23 Prozent weniger Lohn als Männer. Das bedeutet, ergänzte Sonnenholzner, Frauen müssen im Schnitt 83 Tage länger arbeiten, um das gleiche Jahreseinkommen zu erreichen wie ein Mann. Oder anders ausgedrückt: Frauen müssen bis zum 23. März arbeiten, um das gleiche Jahreseinkommen zu erreichen, das die Männer am 31. Dezember haben.

Stefan-Brenner wies zudem darauf hin, dass Frauen vor allem in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt seien: "Das ist der direkte Weg in die Altersarmut." Sonnenholzner ergänzte: "Wenn wir so weiter machen, dann ist das, was wir jetzt unter Altersarmut verstehen nur ein matter Abklatsch dessen, was wir in 20, 30 Jahren erleben werden."

Echte Gleichtstellung, so Sonnenholzner, sei noch immer nicht erreicht: "Freiwillige Vereinbarungen haben nichts gebracht. Irgendwann muss es mit der Geduld vorbei sein." Daher forderte sie ordnungspolitische Maßnahmen für gleiche Entlohnung, bei der Steuer und Quoten für Führungspositionen. "Wir Frauen müssen laut weden." Nur so könnte in acht Jahren eine echte Gleichstellung erreicht werden, könnte Deutschland mit Norwegen und Schweden an der Spitze Europas stehen, wäre Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich, würde auch Deutschlands Wirtschaft überdurchschnittlich wachsen.

Frauen müssen und dürfen sich nicht verstecken. Das war der Tenor des Festaktes. Das war auch der Tenor des zweistündigen Auftritts der PrimaTonnen und Edeltraud Rey. Sie präsentierten ihr munteres, freches, teils derbes Programm "(M)unterbelichtet", das vom schwer verliebten "Blind Date" erzählte, einen "Dienstmädchenreport" brachte und vom "Pontius Pilatus Syndrom" handelte.

Die drei Vollblut-Grazien Johanna Wolff von Schutter, Bettina von Haken und Edeltraud Rey agierten mit viel Spaß und Selbstbewusstsein, kokettierten mit ihrer vermeintlichen Schwäche, ihren barocken Proportionen, und zauberten ein Kabarett-Programm auf die Bühne, das für zahlreiche Lacher sorgte, weder Frau noch Mann verschonte, auch mal die große Politik beleuchtete und vor allem, ganz im Sinne des Frauentages, eines unterstrich: Wenn Frau selbstbewusst auftritt, ist alles andere nebensächlich.
-jes-

 

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